Gegen 8 Uhr verlasse ich Navarrete ohne Frühstück - hat sich als besser erwiesen, man schwitzt nicht so schnell. Der Himmel ist ziemlich grau und sieht eher nach Regen aus. Da hat der Wetterbericht aber was ganz anderes versprochen: Sonne und bis zu 32 Grad. Warm ist es jedenfalls und ich brauche keine Jacke. Der Camino führt auf guten Wegen nahe der Strasse und der Autobahn entlang. Nach anderthalb Stunden erreiche ich Ventosa, ein nettes Dorf mit einer großen Kirche San Saturnino und einer berühmten gleichnamigen Herberge - das Dorf liegt im Nebel und schläft noch. Nach einer kurzen Rast gehe ich weiter. Beinahe hätte ich den falschen Weg erwischt, aber so allmählich hat man ein Gefühl dafür, wenn man falsch geht.
Jetzt geht es durch die für Rioja typischen Weinfelder, einige sind schon gelesen, die meisten sind aber noch am Weinstock. Es sind kleine blaue Trauben, die ganz eng zusammen hängen, so dass man kaum eine einzelne herauslösen kann, ohne die anderen zu zermatschen - sie schmecken sehr süß, die Haut ist aber zäh. Ein kurzer Anstieg bringt mich auf den Alto de San Anton, wo seinerzeit die Templer waren. Kurz darauf komme ich an eine Stelle, wo mich eine Tafel informiert, dass hier vor ca. tausend Jahren der sagenhafte Roldan (= Roland) einen Riesen besiegt haben soll (die Geschichte muss ich mal nachlesen). Von der Anhöhe sieht man schon Najera und mache nochmal Rast. Die Sonne kommt jetzt doch durch und es wird immer wärmer. Der Weg hinunter nach Najera zieht sich dann doch ganz schön in die Länge bis man eine Fluss überquert und im historischen Zentrum Najeras ankommt. Insgesamt waren das recht leichte 18 km.
Gleich rechts neben der Brücke ist die angekündigte Albergue Puerta de Najera, die jetzt um 12 Uhr gerade aufmacht. Ich bekomme ein Bett in einem Viererzimmer in dem sehr gepflegten Haus mit sauberen Toiletten und Duschen, einen Aufenthaltsraum mit Getränkeautomaten, Internet-PCs (1 EUR = 20 Minuten) und Schließfächern - dann folgt das übliche: auspacken, duschen, waschen, WiFi-Key nachfragen und Mail checken. Anschließend ein erster Rundgang durch den Ort, der doch sehr übersichtlich ist. Ich setze mich an die Promenade an dem kleinen Fluss und esse sehr gute Croquetas Casero (Kartoffeln, Kaese und Jamon) und trinke ein kleines Bier von Estrella Galicia. Jetzt läuft das Formel 1 Rennen aus Singapore - in einer Bar verfolge ich das Rennen: Vettel gewinnt vor Button und Alonso - Schumacher und Hamilton scheiden aus.
Später gehe ich zum Kloster Santa Maria Real, das einen prachtvollen Kreuzgang und eine schöne Kirche mit einem tollen Chor in der oberen Etage hat. Nachdem ich das Kloster verlassen habe, fallen doch tatsächlich ein paar Tropfen Regen - ist aber kaum der Rede Wert. Trotzdem gehe ich zurück in die Albergue, um die Wäsche reinzuholen - hat schon jemand gemacht und sie ist auch schon fast trocken. Die nette Finnin ist auch in der Albergue und ein paar andere bekannte Gesichter.
Spaeter treffe ich John und Pato vor einer Bar - sie schwärmen immer noch vom gestrigen Abendessen. Für heute Abend muss ich noch was finden - das Restaurant in der Nähe des Kloster hat schon ab 19 Uhr ein Pilgermenu und ist gegen halb acht schon voll. Ich gehe dann doch ins Los Paralles und warte dort mit einem Weißwein auf das um 20 Uhr beginnende Menu. Im Fernsehen laeuft das Finale der Pelotarunde. Ich bleibe beim Weißwein und nehme Patatas con Chorizo, das ist eine dicke Kartoffelsuppe mit Wurst und dann Merluza (Seehecht?) in einer Sauce aus Tomaten, Paprika und Zwiebeln. Es ist alles sehr gut und das Weißbrot scheint selbst am Sonntagabend ganz frisch zu sein. Als Desert nehme ich eine griechische(?) Yoghurtcreme - sie ist mit Brombeermus gesüßt und auch ganz hervorragend. Zum Schluss noch der unvermeidliche Cafe solo. Alles zusammen mit Trinkgeld 15 EUR. Mittlerweile läuft der Canal (Marca) mit dem Fussball: Atletico gewinnt 2:1 gegen Valladolid. Säter heute Abend (21:30) spielt noch Rayo Vallecano gegen Real Madrid. Ich gehe zurück in die Albergue und schreibe noch ein bisschen an meinem Tagebuch.